
Jan 3, 2026
Human Due Diligence: Wie Investoren Gründer- und Teamrisiken früh erkennen können
Warum klassische Due Diligence nicht ausreicht
Venture-Capital- und Startup-Investments sind per Definition risikobehaftet. Um dieses Risiko zu minimieren, haben sich strukturierte Due-Diligence-Prozesse etabliert: Marktanalysen, Produktbewertungen, Finanzmodelle, rechtliche Prüfungen.
Was dabei häufig zu kurz kommt, ist der entscheidendste Erfolgsfaktor eines Startups: das Team.
Zahlreiche Studien und Erfahrungswerte aus Venture-Portfolios zeigen, dass Team- und Gründerprobleme die häufigste Ursache für das Scheitern von Startups sind – noch vor Markt- oder Produktfehlern. Genau hier setzt Human Due Diligence an.
Was bedeutet Human Due Diligence?
Human Due Diligence bezeichnet die systematische, wissenschaftlich fundierte Analyse von Gründer*innen und Teams im Rahmen oder als Ergänzung des Investmentprozesses.
Im Mittelpunkt stehen Fragen wie:
Ist das Gründerteam funktional und komplementär aufgestellt?
Welche Rollen übernehmen die Gründer tatsächlich?
Wie treffen sie Entscheidungen unter Druck?
Wie konfliktfähig und belastbar ist das Team?
Ist das Team in der Lage, mit Wachstum und Komplexität umzugehen?
Ziel ist es, menschliche Risiken frühzeitig zu erkennen, bevor sie zu Wertverlusten im Portfolio führen.
Warum Gründer- und Teamrisiken oft übersehen werden
1. Pitches zeigen nicht die Realität
Pitch-Situationen sind Ausnahmesituationen. Gründer präsentieren sich fokussiert, vorbereitet und kontrolliert. Konflikte, Unsicherheiten oder Machtfragen bleiben verborgen.
Investoren sehen:
Motivation
Vision
Kommunikationsstärke
Was sie nicht sehen:
Entscheidungsdynamiken
Konfliktmuster
Führungsverhalten unter Stress
langfristige Teamkompatibilität
Ohne gezielte Analyse bleiben diese Faktoren unsichtbar.
2. Intuition ist nicht objektiv
Erfahrung ist wertvoll, aber auch erfahrene Investoren unterliegen kognitiven Verzerrungen:
Ähnlichkeitsbias
Überbewertung von Charisma
Confirmation Bias
Sympathieeffekte
Human Due Diligence ergänzt Intuition durch strukturierte, vergleichbare und objektive Daten.
3. Klassische Due Diligence ist nicht dafür gemacht
Finanzielle und rechtliche Risiken lassen sich standardisiert prüfen.
Menschliche Systeme dagegen sind komplexer – und genau deshalb brauchen sie eigene, fundierte Methoden.
Die psychologische Grundlage von Human Due Diligence
Seriöse Human Due Diligence basiert auf wissenschaftlich validierten psychologischen Modellen, nicht auf einfachen Persönlichkeitstests oder Typologien.
Zum Einsatz kommen Erkenntnisse aus:
Persönlichkeitspsychologie
Team- und Organisationspsychologie
Führungs- und Entscheidungsforschung
Stress- und Konfliktpsychologie
Wichtig:
Es geht nicht darum, Menschen zu bewerten oder zu „klassifizieren“, sondern Passung, Risiken und Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen.
Welche Risiken Investoren früh erkennen können
1. Strukturelle Teamlücken
Viele Gründerteams sind fachlich stark, aber strukturell unausgeglichen.
Human Due Diligence zeigt:
Welche Rollen tatsächlich besetzt sind
Wo kritische Kompetenzen fehlen
Ob Verantwortung klar verteilt ist
Fehlende Rollen führen häufig zu Überlastung, Konflikten oder Entscheidungsstaus.
2. Konflikt- und Eskalationspotenziale
Konflikte sind in Startups normal – ungelöste Konflikte sind gefährlich.
Human Due Diligence identifiziert:
typische Konfliktmuster
Kommunikationsprobleme
Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse
So können Eskalationen früh erkannt und adressiert werden.
3. Führungsfähigkeit und Skalierungsrisiken
Nicht jeder gute Gründer ist automatisch eine gute Führungskraft in der Wachstumsphase.
Psychologisch fundierte Analysen liefern Hinweise auf:
Führungsreife
Delegationsfähigkeit
Umgang mit Verantwortung
Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung
Das ist entscheidend für die Skalierbarkeit eines Investments.
4. Belastungs- und Ausfallrisiken
Startup-Gründung ist mental hoch belastend.
Human Due Diligence kann Stress- und Überforderungsmuster sichtbar machen – ein oft unterschätzter Risikofaktor für Investoren.
Der konkrete Nutzen von Human Due Diligence für Investoren
Mehr Entscheidungssicherheit
Investoren erhalten zusätzliche, fundierte Informationen über Gründer- und Teamqualität. Das verbessert die Qualität von Investmententscheidungen erheblich.
Frühzeitige Risikosteuerung
Human Due Diligence ist kein Ausschlussinstrument, sondern ein Steuerungswerkzeug.
Erkannte Risiken können aktiv begleitet werden – etwa durch Coaching oder gezielte Unterstützung.
Stabilere Portfolios
Investoren, die Team- und Gründerqualität systematisch berücksichtigen, profitieren langfristig von:
stabileren Teams
weniger Eskalationen
besserer Zusammenarbeit im Portfolio
höherer Erfolgswahrscheinlichkeit
Fazit: Human Due Diligence als neuer Investmentstandard
Teams sind kein weicher Faktor.
Sie sind das größte – und gleichzeitig steuerbare – Risiko im Startup-Investment.
Human Due Diligence macht dieses Risiko sichtbar, messbar und handhabbar.
Für Investoren bedeutet das: mehr Sicherheit, bessere Entscheidungen und nachhaltigere Investments.
